Die Geisteswissenschaften sind Kriegsmaschinen der Aufklärung; sie schulen in den Tugenden des Zweifels und der Kritik. Ihr Fortschritt besteht nicht in der Ermittlung von Wahrheiten, sondern in der Verbesserung der Präzision, "mit der man einander ärgert" (Clifford Geertz). So wirken sie als Antidot gegen die Gifte, deren sich Populisten aller Art bedienen. Letztere sind ihre kleinen Feinde. Ihre grossen sind Fundamentalisten und Diktatoren jeder Couleur, denen das öffentliche "Selbstdenken", das den Kern geisteswissenschaftlicher Praxis ausmacht, ein Greuel ist. (Bernd Roeck: Fragen und weiterfragen. Vom Nutzen der Geisteswissenschaften für das Leben. NZZ vom 23. April 2011)